Grußwort des Meisters vom Stuhl
Sehr geehrte Frau Wasner,
Sehr geehrter Herr Meyer, Bürgermeister der Samtgemeinde Grafschaft Hoya,
Sehr geehrter Herr Schwarze, stellvertrender Bürgermeister der Stadt Hoya,
Sehr geehrte Damen und Herren von der Presse,
Ehrwürdigster Großmeister Br. Axel Pohlmann,
Ehrwürdigster zugeordneter Großmeister Br. Helmut Schlund,
Sehr ehrwürdiger Distriktsmeister des Distriktes Bremen, Br. Jens Wolfgramm,
Sehr ehrwürdiger Distriktsmeister des Distriktes Nordrhein-Westfalen, Br. Rainer Bäuerlein,
Ehrwürdige Meister, würdige und geliebte Brüder!
Ich freue mich sehr, das Sie, meine Damen und Herren, und ihr, liebe Brüder mit eurem zahlreichen Erscheinen das Johannisfest unserer jungen alten Loge schmückt. Dafür einen herzlichen Dank.
Wir haben gerade einen Chor von Freimaurern gehört, der im Rahmen eines Workshops entstanden ist. Einige Teilnehmer sind heute zum ersten Mal dabei und konnten als Musiklaien nur wenige Stunden unter Anleitung von Br. Jordan Hristoskov und seines Sohnes Vesselin proben. Dafür ist das Ergebnis vielversprechend und wir hoffen, dass dieser Chor auch bei der Kulturveranstaltung der Künstlergruppe Pegasus am 17. September „in diesen heiligen Hallen“ auftreten kann.
Im Jahre 2017 feiert die sogenannte moderne Freimaurerei weltweit ihren 300. Geburtstag, im nächsten Jahr feiern wir 275 Jahre Freimaurerei in Deutschland, und im beschaulichen Städtchen Hoya feiern wir die 225. Wiederkehr des Gründungstages der Loge St. Alban zum Æchten Feuer.
Eine Loge in einer so kleinen Stadt ist ein Kuriosum, damals wie heute. Niemand hätte vermutet, dass hier, in der Abgeschiedenheit einer grünen Idylle schon 1786 eine Loge bestanden hätte.
Freimaurerei ist eine weltumspannende universale Idee von gelebter Mitmenschlichkeit. Dass sie nicht nur in den Metropolen dieser Welt, sondern auch im idyllischen Hoya gelebt werden kann und konnte, zeigen uns ein paar in der Stadt bekannte Namen.
Allen voran Johann Beckmann, Ökonom, Philosoph, Begründer der technologischen Wissenschaften, hat mit der Johann-Beckmann-Gesellschaft einen weltweiten Freundeskreis, ist Namensgeber für eine Straße und das örtliche Gymnasium.
Oder Georg Martin Bollmann, angesehener und wohlhabender Kaufmann, Freund von Wilhelm v. Humboldt, Stifter des Rathauses, in Erinnerung durch die Bollmannallee.
Im Ort weniger zu meinem Erstaunen weniger bekannt sein Sohn Justus Erich Bollmann, Arzt, Abenteurer, Unternehmer, Fabrikant, Freund von Simon Bolivar, Freund von Georg Forster und anderen Persönlichkeiten der Aufklärung, Retter Narbonnes, Befreier Lafayettes, Kommerzienrat, Abgesandter des Bankhauses Baring beim Wiener Kongress, Mitbegründer der Stadt Pittsburg — um nur einige Stichworte dieser interessanten Persönlichkeit zu nennen.
Oder endlich Heinrich Albert Oppermann, Jurist, Politiker und Schriftsteller, der in seinem 3000 Seiten starken Roman „Hundert Jahre“ der Stadt Hoya und dem Weltreisenden Justis Erich Bollmann ein Denkmal setzte.
Alle genannten Personen waren Freimaurer. Freimaurer aus Hoya.
Bei den Recherchen waren wir höchst erstaunt, wie viele Männer aus Hoya und dem Umland im Verlaufe der letzten 225 Jahre Freimaurer waren. Meine Herren Bürgermeister, gestatten Sie mir den Hinweis darauf, dass wir auch einige ihrer historischen Amtskollegen in Mitgliederlisten der verschiedenen Logen in Hoya, Nienburg, Bremen und Hannover gefunden haben.
Freimaurerei kann daher so abwegig nicht sein. Und trotzdem sind die Vorurteile nicht auszurotten. Auch nicht auf dem Dorf, wo man sich eigentlich persönlich näher sein sollte als in den Städten.
Heinrich Albert Oppermann hat in seinem bereits angesprochenen Riesenroman „Hundert Jahre“ die Verhältnisse der Welt im Großen wie auch im Kleinen ausgezeichnet beschrieben, oftmals verschlüsselt. In Hoya schildert er um die Wende des Jahres 1800 herum das Aufkommen des Reformclubs, der sich gegen den etablierten Herrenclub behaupten muss. Man kann vermuten, dass mit dem Reformclub die junge, demokratisch und liberal gesinnte Loge gemeint ist, der von der bürgerlichen Gesellschaft der Stadt etliche Vorbehalte entgegengebracht wurden.
Parallelen zu heute abzustreiten wäre eine Spur zu diplomatisch.
Natürlich werden wir als Freimaurer kritisch betrachtet, passen wir doch nicht in die bewährten Muster, noch dazu als geheimnisumwitterter Männerbund. Doch:
„Unbeirrt vom Lärm der Welt geht der Maurer seinen Weg, ruhig und sicher, furchtlos in Gefahren, hohe Ziele vor Augen.“
Dieser Aufforderung in unserem Ritualtext folgend arbeiten wir wie Generationen vor uns daran, uns in die Gemeinschaft einzubringen. Jeder einzelne auf seine persönliche Art — über alle Konfessionen, Altersgruppen, Berufe und sonstige Unterschiede hinweg.
Gemeinsam sind wir in unserer Region nicht unerheblich für das Gemeinwohl tätig, und ich freue mich, dass wir dies später — in für uns ungewohnter öffentlicher Form – durch eine erneute Spende fortführen dürfen.
Vom Freimaurer wird Mitarbeit in der Gesellschaft gefordert: Dies wird durch den eine rituelle Zusammenkunft schließenden Satz bekräftigt:
„Geht nun zurück in die Welt und bewährt euch als Freimaurer. Wehret dem Unrecht, wo es sich zeigt, kehrt niemals der Not und dem Elend den Rücken.“
So wächst, wenngleich langsam aber beharrlich, der Kreis der Menschen, die uns vor Ort als eine gute Kraft erfahren, anerkennen und respektieren.
Wir sind als „Reformclub“ zwar noch nicht ganz angekommen, aber doch mit Fleiß und Ausdauer auf einem guten Weg und vor allen Dingen guten Mutes. Ich wünsche mir von dieser Loge ein langes Bestehen und ein nachhaltiges Wirken in der Region.
Es freut mich, dass dies von den Bürgermeistern der Stadt und der Samtgemeinde durch ihre Zusagen anerkannt wird, danke Ihnen sehr herzlich für Ihr Kommen und möchte damit zunächst Ihnen, Herrn Meyer und dann Ihnen, Herrn Schwarze, und anschließend dem Großmeister das Wort erteilen.